
Die neue Kantonsschule Wattwil ist bezogen – und stösst bereits am ersten Schultag an ihre Grenzen. 880 Schülerinnen und Schüler stehen 720 Plätzen gegenüber. Rund 140 Schülerinnen und Schüler bleiben im sanierungsbedürftigen Altbau. Die SVP will verhindern, dass sich dieser Fehler beim Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg wiederholt. Sie unterstützt deshalb den Vorstoss der SVP-Fraktion im Kantonsrat, das BWZT um ein Stockwerk zu erhöhen.
Am 17. November 2019 hat das St. Galler Stimmvolk 108 Millionen Franken für den Campus Wattwil bewilligt – 73.5 Millionen für den Ersatzneubau der Kantonsschule, 34.5 Millionen für die Erneuerung und Erweiterung des BWZT. Der Kanton stimmte in sämtlichen Gemeinden zu, das Toggenburg mit einem Ja-Anteil von über 91 Prozent. Versprochen wurde dem Stimmvolk eine Campuslösung über die Thur hinweg: Rechts die neue Kanti, links die sanierte Berufsschule. Mit gemeinsam genutzter Aula, Mensa und Sportinfrastruktur. Um den Campus-Gedanken zu vollenden, erstellte die Gemeinde Wattwil für CHF 1.28 Millionen einen neuen Steg über die Thur.
Kanti zu klein gebaut, obwohl die Zahlen bekannt waren
Der Neubau der Kantonsschule ist auf 720 Lernende ausgelegt. Zum Schulstart 2026/27 besuchen 880 Schülerinnen und Schüler die Kanti Wattwil. Schülerzahlen lassen sich aus den Geburtsjahrgängen Jahre im Voraus abschätzen. Trotzdem reicht der Platz vom ersten Tag an nicht. Rund 140 Schülerinnen und Schüler werden weiterhin im Altbau an der Näppisuelistrasse unterrichtet – in einem Gebäude, in das seit Jahren Wasser eindringt und das von Experten als nicht sinnvoll sanierbar eingestuft wurde. Damit unterhält der Kanton mit Steuergeld langfristig zwei Kanti-Standorte im selben Dorf. Eine Erweiterung des Neubaus ist baulich und finanziell nicht vernünftig.
Beim BWZT droht die Wiederholung
Ab Herbst 2027 bis Sommer 2030 wird das BWZT erneuert und erweitert. Für diese Zeit ziehen die Berufsschüler in den Altbau der Kantonsschule. Die Berufsschule wird jedoch nur für 1320 Lernende um- und ausgebaut. Durch das anhaltende Bevölkerungswachstum im Einzugsgebiet werden jedoch 2030 1450 Lernende ins Lehrjahr starten.
«Wir haben 2019 für einen Campus gestimmt, nicht für Provisorien», sagen die sechs Toggenburger SVP-Kantonsräte. «Wenn wir jetzt nichts tun, bezahlen unsere Steuerzahlerinnen und Steuerzahler denselben Fehler ein zweites Mal.» Die SVP kämpft für gute Schulgebäude, um die Berufslehre zu stärken.
Aufstockung mit sechs zusätzlichen Zimmern
Die SVP-Fraktion im Kantonsrat verlangt, das BWZT um ein Stockwerk zu erhöhen. Das ergibt sechs zusätzliche Schulzimmer. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die Erweiterung lässt sich nur wirtschaftlich realisieren, wenn sie jetzt vor dem Baustart in die Planung aufgenommen wird. Eine spätere Aufstockung würde deutlich teurer und den Schulbetrieb empfindlich stören. «Es ist noch nicht zu spät», sagen die SVP-Kantonsräte in einem am Montag publizierten Video. «Wenn der Kantonsrat jetzt reagiert, lässt sich die Korrektur vor dem Start der Bauarbeiten vornehmen.» Das Video der sechs Toggenburger SVP-Kantonsräte hat bereits über 50'000 Aufrufe auf verschiedenen Internetportalen.